Zweite Schuld nach 1945

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Deutsche Bevölkerung im befreiten KZ Buchenwald
Ausschnitte aus einer fertig gestellten, aber lange nicht gezeigten britischen Dokumentation über das KZ-System im Dritten Reich. Mit Originalaufnahmen aus dem KZ Buchenwald kurz nach der Befreiung 1945.
„Wir wollten wissen, ob die Deutschen, die um das Lager herum wohnten, davon wussten. Sie sollten sehen wofür sie und wogegen wir gekämpft hatten. Sie kamen wie gut gelaunte Touristen in ein Gruselkabinett. Aber das hier war die Wirklichkeit.“
(Video, 1:15)
Valentin Senger über die „perfekte Verdrängung“ nach 1945
Der Schriftsteller Valentin Senger bei einer Veranstaltung in einer Schule in Frankfurt (1988): „Nach 1945 machte sich in gewissen Bevölkerungskreisen eine gewisse Scham breit. Und das ist der Grund, weshalb die Eltern – die heutigen Großeltern – kaum etwas an ihre Kinder über das vermittelt haben, was während des Zweiten Weltkriegs passiert ist, und die heutigen Eltern ebenfalls nicht. Und dieses Vakuum wurde nie durch verantwortliche demokratische Kräfte in unserem Staat ausgefüllt.“
(Video. 1:07)
„Wir haben nie ‚Heil Hitler‘ gesagt“
Eine ehemalige Schülerin der Jenaplanschule über die NS-Zeit bei einer Veranstaltung (2010): „Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dass wir die Flagge gehisst haben und ‚Heil Hitler‘ gesagt haben. Das gab’s in meiner ganzen Schulzeit nicht in der Jenaplanschule.“
(Video, 0:26)
Härtere Strafen für Polen und Juden, weil sie „Untermenschen“ sind
Ausschnitt aus der Dokumentation „Von Richtern und anderen Sympathisanten“ (1982): Der ehemalige Staatsanwalt Herrmann Stolting antwortet auf die Frage, ob er denn nicht das Gefühl gehabt hätte bei der Anklage der Verfolgten einen Gleichheitsgrundsatz zu verletzen: „Man hat uns eben gesagt, Polen und Juden, das sind potentielle Volksschädlinge und da hat man die Strafen eben für gerecht gehalten.“
(Video, UT, 3:56)
„Unangenehme“ Vollstreckung der Todesstrafe: „Eine Frage der Ästhetik, nicht des Rechts“
Ausschnitt aus der Dokumentation „Von Richtern und anderen Sympathisanten“ (1982): Auf die Frage nach möglichen moralischen Bedenken bei seiner Tätigkeit als Vollstreckungsleiter bei Todesurteilen antwortet der ehem. Staatsanwalt Herrmann Stolting: „Mir war das, sagen wir mal, eine Frage der Ästhetik. Mir war das unangenehm, einen wehrlosen Menschen in dieser Form zu behandeln. Aber mein Gewissen hat das nicht belastet. Das war eine Frage der Ästhetik, nicht des Rechts.“
(Video, UT, 2:13)
Politische Ansichten eines NS-Staatsanwalts
Staatsanwalt Herrmann Stolting:„Wenn heute Krieg wäre und es um die Existenz der Bundesrepublik Deutschland ginge, dann wäre wahrscheinlich der Grund dafür da, dass man genauso handelt wie damals auch – zwar nicht mehr, weil das uninteressant ist, gegen Polen und Juden, aber es gibt ja auch andere, die sich als Feinde des kriegsführenden Staates herausstellen.“
(Video, UT, 3:47)
„Unsere Aufgabe war es ja, das Ghetto zu erhalten!“
Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm „Shoah“ (1985): Der ehem. stellvertretende Kommissar des Warschauer Ghettos Franz Grassler im Interview:
„Die Politik, die dann schließlich zur Vernichtung der Juden geführt hat, die sogenannte Endlösung, die war uns ja natürlich nicht bekannt. Unsere Aufgabe war ja, das Ghetto zu erhalten und die Juden eben möglichst auch als Arbeitskräfte zu erhalten.“
(Video, 3:29)
Eichmann vor Gericht: „Ich hatte das Unglück, in diese Gräuel verwickelt zu werden“
Ausschnitt aus der Dokumentation „Eichmann – The Exterminator“ (1980): Szenen von der Vernehmung des ehem. SS-Obersturmbandführers Adolf Eichmann vor dem Gericht in Jerusalem: „Ich hatte das Unglück, in diese Gräuel verwickelt zu werden. Aber diese Untaten geschahen nicht mit meinem Willen. Mein Wille war nicht, Menschen umzubringen.“
(Video, 0:14)
Ein Frankfurter Universitätsprofessor und die Auschwitzleugnung
1993 gab es an der Universität Frankfurt Auseinandersetzungen um geschichtsrevisionistische Äußerungen des Professors Rainer Ballreich, denen zufolge die Opferzahlen des Holocaust um den Faktor 10 zu hoch und aus den Krematorien von Auschwitz keine Flammen gestiegen seien. Ballreich blieb bis zu seiner Emeritierung 1997 als Professor für Biomechanik tätig und wurde 2011 nach seinem Tod in einem Nachruf der Universität für seine „außerordentlichen Verdienste“ in Forschung und Lehre gelobt.
(Video, 4:20)
„Entschädigungen“ für Zwangsarbeit für die deutsche Industrie
Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm „‘Vernichtung durch Arbeit‘ – KZ-Häftlinge: Sklaven für die deutsche Industrie“ (1984): Der Jurist Benjamin Ferencz berichtet von seinem langen Kampf um „Entschädigungszahlungen“ deutscher Unternehmen an Überlebende der Zwangsarbeit: „Manche Firmen haben jede Verantwortung abgelehnt. Sie haben versucht, so wenig wie möglich oder am besten nichts zu bezahlen. Keine hat es von sich selbst aus gemacht, mit einem Rechtsgefühl oder einem moralischen Gefühl.“
(Video, 6:07)

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